Kirchensteuer auf Italienisch

In der Septembersession beriet der Grosse Rat einen Vorstoss von Seiten der GLP, der eine freiwillige statt der heutigen obligatorischen Kirchensteuern für Unternehmen forderte. Selbstverständlich lehnte die EVP mit einer Ratsmehrheit diese Teilabschaffung der Kirchensteuern ab.

Gleichzeitig reichten ich zusammen mit meinen beiden EVP-Kollegen Marc Jost und Hans Kipfer ein Postulat ein, das das italienische Kirchensteuermodell «Otto per Mille» (deutsch: acht Promille) für Unternehmen im Kanton Bern vorschlägt. Dieses Modell fasziniert mich seit jeher: Unternehmen können in Italien entscheiden, an welche Kirche bzw. welche Religion sie ihre Kirchensteuer entrichten wollen. Diese Gelder dürfen, wie neuerdings auch im Kanton Bern, von den Kirchen nicht für den internen Betrieb, sondern nur für soziale bzw. diakonische Projekte verwendet werden.

Diejenigen Kirchen, die in Italien einen besonders glaubwürdigen Ruf geniessen, erhalten im Verhältnis zu ihrer Grösse besonders viele Unternehmenskirchensteuern zugesprochen. Zum Beispiel werden die Waldenser und Methodisten mit Finanzen geradezu überhäuft, was sie vor ungewohnte Probleme stellt.

Im Kanton Bern bezahlen Unternehmen aktuell Kirchensteuern an die drei Landeskirchen und die jüdische Gemeinde, ohne entscheiden zu können, wohin ihr Geld genau fliesst. Das muss sich ändern! Wir sehen nicht ein, warum in Zukunft nur die Landeskirchen in Genuss von Unternehmenssteuern kommen sollen. Auch Freikirchen und andere Religionen sollen für ihre Sozialprojekte Gelder aus diesem Topf erhalten können. Dabei ist für uns aber selbstverständlich, dass die Empfänger und Empfängerinnen gewisse Standards wie eine transparente Rechnungslegung oder partizipative Strukturen vorweisen müssen.

Bild: Waldenserkirche an der Piazza Cavour in Rom