Mehrweggeschirr: Eine politische Frage?

Seit 10 Jahren in der Stadt Bern eine Selbstverständlichkeit: Am Buskers oder an der Museumsnacht gibt’s Getränke und Essen aus Mehrweggeschirr, das gegen eine Depotgebühr herausgegeben wird. Die Mehrwegpflicht an Grossveranstaltungen, die auf einen Vorstoss aus dem Stadtrat zurückgeht, funktioniert bestens, die Vorteile sind offensichtlich: Abfallberge werden vermieden, der öffentliche Raum bleibt sauber und mit dem Verleih von Mehrweggeschirr ist ein neues Business entstanden.

Klar also, dass der Kanton das erprobte System der Mehrweggeschirr aus der Stadt Bern auch in seiner angepassten Gastgewerbeverordnung übernehmen will. Oder doch nicht? Anstoss zu dieser Neuerung gab eine Motion der Stadtberner GFL-Grossrätin Anna Linder, die der Regierungsrat positiv beantwortete. Er versprach, das Obligatorium sogar auf «alle Betriebe» auszudehnen und nicht nur auf Grossveranstaltungen auf öffentlichem Grund beschränken zu wollen.

Die Mehrwegpflicht stösst aber nicht überall auf Begeisterung. In der Stadt Thun ging man wieder einen Schritt rückwärts. «Wegen negativer Erfahrungen mit Mehrweggeschirr» korrigierte die Stadt ihr Abfallreglement und erlaubte bei kleineren Anlässen in Hallen wieder Wegwerfgeschirr. Hängt die Ausgestaltung der Mehrwegpflicht etwa mit den unterschiedlichen politischen Mehrheiten in Bern und Thun zusammen? Eigenartig: Die beiden Städte liegen nur 40 km auseinander und man gelangt trotzdem in einer Sachfrage, die messbare Vorteile bringt und in der Stadt Bern von der Festkundschaft bestens aufgenommen wird, zu gegenteiligen Schlüssen.