Sparen bei der Eheberatung?

Grosses Sommerthema in den Medien war das Entlastungspaket 2018 des Regierungsrates, das der Grosse Rat in der Novembersession verabschieden wird. Rund die Hälfte der vorgesehenen Einsparungen soll Rechnungsdefizite, die in den nächsten Jahren drohen, verhindern, die andere Hälfte Steuersenkungen gegenfinanzieren. Gegen einzelne der 155 Sparmassnahmen wurde bereits kräftig opponiert. Andere ebenso gravierende, die aber über keine Empörungslobby verfügen, werden wohl sang- und klanglos angenommen werden, weil man ja irgendwo sparen muss.

Besonders stossend erscheinen mir diejenigen Massnahmen, die präventive Strukturen zerstören. Ihre Auswirkungen werden zwar nicht sofort spürbar werden, betreffen aber die Zukunft bzw. die kommenden Generationen unseres Kantons.

Ein Beispiel ist die vollständige Streichung der staatlichen Beiträge an die Ehe- und Familienberatung.

Zwar wird die subventionierte Ehe- und Familienberatung damit nicht vollständig verschwinden, da der Kanton Bern lediglich rund 23 Prozent des Beratungsangebots der reformierten Kirche finanziert. Diese betreibt aktuell zehn Beratungsstellen im ganzen Kanton Bern mit Gesamtkosten von rund 1,9 Mio. Franken. Wird diese Sparmassnahme aber angenommen, wird die Kirche wohl als erstes die abgelegenen Stellen – zum Beispiel in Zweisimmen oder Walkringen – schliessen. Die notorischen Steuersenker werden also auch mit dem Entlastungspaket 2018 gegen ihre eigenen Wählerinnen und Wähler arbeiten: Sie fordern Sparmassnahmen zugunsten von Steuersenkungen für Privilegierte, werden damit aber vor allem wichtige Strukturen auf dem Land zerstören und dafür sorgen, dass der Service public in den städtischen Zentren konzentriert wird.